agiles Mindset

Was ist ein agiles Mindset...

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...und wie entwickelt man ein agiles Mindset?

Der Begriff "agiles Mindset" begegnet uns immer häufiger. Oft in Kombination mit den Schlagwörtern VUCA, Scrum oder agile Transformation.

Was wir unter einem agilen Mindset verstehen und ob jeder ein agiles Mindset entwickeln kann, klären wir in diesem Blogbeitrag.

Dafür müssen wir zunächst verstehen, was ein Mindset ist. Anschließend betrachten wir die Erweiterung um den Zusatz "agil" und erläutern, wie das eigene Mindset verändert werden kann. In diesem Zusammenhang gehen wir auf verschiedene Rahmenbedingungen ein, die für die Bildung eines agilen Mindsets von Vorteil sind.

Sie wollen wissen, wie weit ausgeprägt das agile Mindset Ihres Teams bereits ist? Dann nutzen Sie unser Poster am Ende dieses Beitrags. Wie viele Punkte können Sie bereits abhaken?

Eisbergmodell

Definition "Mindset"

Aus dem Englischen übersetzt, bedeutet Mindset soviel wie innere Haltung, Grundeinstellung, Glaubenssätze oder auch persönliche Werte. Diese Einstellung wird geprägt durch Erfahrungen aus der Vergangenheit. Es handelt sich somit um die Aspekte des menschlichen Seins, die unsere Handlungen und Verhaltensweisen beeinflussen und dabei aber nicht immer klar erkennbar sind.

Als Veranschaulichung kann das Eisbergmodell dienen. Der Bereich unterhalb der Wasserlinie, der unser Mindset ausmacht, bestimmt unsere Wahrnehmung der Realität und bietet so die Grundlage für unser Handeln. Das bedeutet konkret: Welche Informationen nehmen wir auf? Welche Informationen speichern wir ab? Wie bewerten wir die aufgenommenen Informationen? Welche Handlungen leiten wir daraus ab?

Definition "agil"

Nachdem wir nun verstanden haben, was ein Mindset ist, schauen wir uns noch den Begriff der Agilität an. Was bedeutet es eigentlich "agil" zu sein?

Erfolgreiche agile Teams teilen gemeinsame agile Werte und handeln gemäß agiler Prinzipien. Das bedeutet zum Beispiel, dass sie sich aktiv für ihre Aufgaben entscheiden und ein Commitment abgeben, diese zu erfüllen. Das heißt, dass Arbeitsergebnisse regelmäßig fertiggestellt und veröffentlicht werden.

Agile Teams kommunizieren auf Augenhöhe, selbst über Hierarchien hinweg. Face-to-face ist dabei die beste Kommunikationsbasis. Auch haben agile Teams stets den Mut Neues auszuprobieren. Die Anforderungen des Kunden haben sich geändert? Dann geht das Team jetzt eben einen anderen Weg.

Agile Teams verlieren dabei aber nie den Fokus und konzentrieren sich auf das Wesentliche: Wert zu schaffen. Unnötige Arbeit vermeiden Sie. Mitglieder agiler Teams respektieren und vertrauen sich gegenseitig jederzeit.

Warum ist es nun vorteilhaft agil zu sein?

Agilität ist eine der Antworten auf die VUCA Welt. Die Kurzfassung: Agil zu sein liefert die nötige Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an eine immer volatiler, unsicherer, komplexer und ambiguer werdende (Arbeits-)welt. Kundenbedürfnisse ändern sich von heute auf morgen, Wettbewerber sprießen aus dem Boden und die Digitalisierung treibt den Wandel immer stärker voran. Agile Unternehmen und Teams haben in dieser Welt einen entscheidenden Vorteil, der es ihnen ermöglicht, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Letztlich bedeutet agil sein, agile Werte zu leben. Und hier schließt sich der Kreis zum Mindset.

Definition "Agiles Mindset"

Wenn der Begriff des Mindsets um den Zusatz "agil" erweitert wird und nun vom agilen Mindset gesprochen wird, dann lohnt sich ein Blick auf die Theorie des Fixed vs. Growth Mindset der Psychologin Carol Dweck.

Carol Dweck differenziert zwischen denjenigen, die in ihren Grundeinstellungen und Glaubenssätzen festgefahren sind (Fixed Mindset) und denjenigen, die überzeugt sind, dass sie alles schaffen, solange sie sich nur genügend dafür einsetzen (Growth Mindset). (Hier verlinken wir Ihnen auch einen spannenden Ted Talk von Carol Dweck zu diesem Thema: Link).

Es lässt sich schon erahnen: ein Growth Mindset ist Voraussetzung für ein agiles Mindset. Ein agiles Mindset zu haben bedeutet, davon überzeugt zu sein, dass man sich zu jeder Lebensphase weiterentwickeln kann. Außerdem geht es mit dem Verständnis einher, dass unsere Umwelt ständig in Bewegung ist und sich verändert. Für ein agiles Mindset braucht es daher die Bereitschaft, bestehende Grundeinstellungen und Glaubenssätze in Frage zu stellen und wenn nötig gegen andere einzutauschen.

Schauen wir nun wieder zum Eisbergmodell zurück und wenden es auf eine Person mit einem agilen Mindset an, dann finden wir unter anderem die zuvor genannten agilen Werte unterhalb der Wasserlinie wieder.

Die wichtigsten Aspekte eines agilen Mindsets

Eine eindeutige Definition eines agilen Mindsets gibt es nicht. Aber es gibt neben den agilen Werten einige Grundeinstellungen des Menschen, die wiederum ein Mindset ausmachen bzw. prägen können. Diese sollten im Zusammenhang mit einem agilen Mindset im Berufsumfeld unbedingt genannt werden. Unternehmen und Teams, die diese Grundeinstellungen teilen und leben, werden es leichter haben, sich am schnell verändernden Markt (siehe auch VUCA) zu behaupten. Grund dafür ist, dass sie Kund:innen besser in den Fokus ihrer Arbeit rücken und damit einen höheren Wert generieren können.

  • Icon Richtungswechsel

    Anpassungsfähigkeit

    Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an neue Gegebenheiten sind eine der wichtigsten Grundeinstellungen für ein agiles Mindset. Besonders im Business-Kontext müssen sich Teams und Unternehmen immer schneller an die Kundenbedürfnisse anpassen.

  • Icon Daumen hoch

    Wert schaffen

    Der Fokus eines Unternehmens oder eines Teams liegt nicht mehr darauf, möglichst viele Anforderungen umzusetzen, sondern, dass ein möglichst hoher Wert (für die Kund:innen) geschaffen wird. Anforderungen, die einen höheren Wert schaffen, werden priorisiert.

  • Icon Idee

    Innovationsgedanke

    Rückschläge und Fehler werden als Chance für Wachstum und Verbesserung gesehen. Risiken können und dürfen bewusst getragen werden um Innovation zu fördern.

  • Icon Feedback

    Feedback wertschätzen

    Feedback wird als Geschenk gesehen, da es der schnellste Weg ist, um sich oder seine Arbeitsergebnisse zu verbessern. Am besten kann Feedback in iterativen Arbeitszyklen genutzt werden.

  • Icon Teamwork

    Zusammenarbeit fördern

    Gutes Teamwork wird aktiv gefördert und als Grundvoraussetzung gesehen. Deshalb wird Wert auf eine Vertrauenskultur, Kommunikation und Transparenz gelegt. Wissenssilos werden bewusst vermieden.

Being Agile vs Doing Agile

"Doing agile" ist nicht gleich "Being agile"

In unserem Arbeitsalltag als Berater:innen lernen wir viele Unternehmen und Teams kennen, die sich in einer agilen Transformation befinden. Viele starten mit der Einführung agiler Rahmenwerke wie Scrum oder führen andere agile Methoden und Arbeitsweisen ein. Leider zeigt diese Vorgehensweise oft nicht den versprochenen Effekt, da die erhoffte Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ausbleiben. Wir sprechen hier vom "Doing agile".

Das Entscheidende - das "Being agile" fehlt noch. Und hier kommt wieder das agile Mindset ins Spiel. Erst durch das Zusammenspiel zwischen agilem Mindset und agilen Methoden werden eine nachhaltige und effektive Implementierung agiler Methoden ermöglicht. Übrigens bietet ein agiles Mindset nicht nur Teams einen Mehrwert, die nach agilen Methoden arbeiten, auch im klassischen Projektmanagement kann ein agiles Mindset durchaus von Vorteil sein. Agile Methoden brauchen also ein agiles Mindset. Ein agiles Mindset braucht jedoch nicht zwangsläufig agile Methoden, um wirksam zu sein.

Agiles Mindset in Teams
Wie kann ein agiles Mindset gefördert werden?

Damit ein Team ein agiles Mindset innehaben bzw. entwickeln kann, müssen die Rahmenbedingungen dies zulassen und agile Werte unterstützen. Zu den wichtigsten gehören Führung, Prozesse, Struktur, Strategie und Kultur. Daneben gibt es natürlich noch einige weitere Gegebenheiten, die kleineren oder größeren Einfluss auf die Entwicklung eines agilen Mindsets nehmen.

Wenn wir als Berater:innen, beispielweise im Rahmen einer agilen Transformation, in ein neues Projekt kommen, so schauen wir uns initial insbesondere diese fünf Rahmenbedingungen an und analysieren den Status Quo. Je nach Ausprägung dieser haben wir nun die Möglichkeit ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was das agile Mindset ist und welchen positiven Einfluss es haben kann. Anschließend lassen sich gezielte Maßnahmen ergreifen, die die Rahmenbedingungen verbessern können. Dazu gehört beispielsweise:

  • Anpassung der strategischen Zielsetzung (Fokus auf einen echten Kundennutzen)
  • Aufsetzten eines Kommunikationskonzeptes zu Verbesserung der Transparenz
  • Ritualisierung von iterativen Planungszyklen
  • Stärkung der Vernetzung / Lernkultur (World Cafe, Round Table, ...)
  • Führungskräfte unterstützen, Verantwortung abzugeben

Neben diesen Maßnahmen ist es außerdem entscheidend, dass das Team sich an einem Vorbild orientieren kann. Das kann - muss aber nicht - die Führungskraft sein, die beispielsweise offen mit Fehlern umgeht und Learnings teilt, Transparenz und Kommunikation fördert und aktiv Feedback gibt und einholt. Häufig hilft es auch, Best Practices anderer Team, Abteilungen oder Unternehmen aufzuzeigen, die einen Mindsetwandel bereits erfolgreich gemeistert haben. Vor welchen Hürden standen sie, wie haben sie es gelöst und welchen Mehrwert haben sie heute daraus gewonnen?

All das sind Beispiele, was getan werden kann. Jedoch muss natürlich immer in Betracht gezogen werden, dass jedes Team und jede Veränderung sehr individuell sein kann. Hier ist Fingerspitzengefühl angesagt. Das bedeutet auch, dass der Mensch immer im Fokus der Veränderung stehen sollte. Sind alle Beteiligten abgeholt und informiert? Wie fühlen Sie sich mit der Veränderungen? Was brauchen sie noch?

Und zu guter Letzt ist es sehr wichtig nachhaltig und in kleinen Schritten vorzugehen. Glaubenssätze haben sich über viele Jahre gebildet und es benötigt Zeit, diese in Frage zu stellen und zu ändern.

Stellen Sie die Rahmenbedingungen für Ihr agiles Mindset auf die Probe!
Wie ausgeprägt ist das agile Mindset in Ihrem Team?

Unser Poster "Agiles Mindset" ermöglicht es Ihnen, den Reifegrad der Rahmenbedingungen, die das agile Mindset Ihres Teams fördern (oder einschränken falls nicht vorhanden) zu verbildlichen.

Wir empfehlen, das Poster wie folgt zu nutzen: Plotten sie das Poster aus oder kopieren Sie es auf ein virtuelles Whiteboard. Im Rahmen eines kleinen Workshops erarbeiten Sie nun mit Ihrem Team welche Unterpunkte der Rahmenbedingungen Führung, Kultur, Strukturen & Prozess sowie Strategie in Ihrem Kontext bereits erfüllt sind. Haken sie erfüllte Aspekte ab. Je weiter Sie Ihre Haken in die Mitte des Posters setzen können, desto besser sind die Voraussetzungen, dass die Mitarbeiter:innen in ihrem Team bereits ein agiles Mindset haben oder ein agiles Mindset entwickeln.

Sollten Sie Ihre Haken vornehmlich am äußeren Rand setzen, so wissen Sie nun an welchen Stellschrauben Sie arbeiten müssen, um den Reifegrad des agilen Mindsets bei Ihnen und Ihrem Team zu erhöhen.

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