Führung als helfende Hand

Servant Leader dienen durch Führen und führen durch Dienen –  Jean Tabaka

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SERVANT LEADERSHIP – IST DAS FÜHRUNG, WIE MAN SIE KENNT?

Organisationen fordern vermehrt eine Führung, welche auf ihre Mitglieder und deren Bedürfnisse ausgerichtet ist. Ein Führungsstil, der diese Anforderungen bedient und sich vom traditionellen Kommando- und Kontrollansatz löst, ist die sog. dienende Führung (engl. Servant Leadership).

Robert Greenleaf prägte den Begriff Servant Leadership in seinem Werk "The Servant as Leader", welches 1970 erstmals veröffentlicht wurde. Das Konzept dreht die klassischen Hierarchien um und sieht nicht die Autorität der Führungskraft zielvorgebend, sondern die Befähigung der Mitarbeiter:innen zur Ausschöpfung ihres vollen Potentials im Vordergrund.

Übersicht „klassischer“ Führungsansätze

Beginnen wir ganz von vorne: Was versteht man eigentlich unter Führung? Allgemein gehalten bedeutet Führung, dass Menschen das Verhalten anderer beeinflussen wollen und können, um die eigenen oder gemeinsamen Ziele zu erreichen. Zwei sehr bekannte Führungsstile, die häufig sowohl bewusst als auch unbewusst angewendet werden, basieren auf den Theorien des US-amerikanischen Psychologen und Professors Bernhard M. Bass.

Bernhard M. Bass (1985) beeinflusste die Führungsforschung nachhaltig mit der Entwicklung der sog. Full Range of Leadership. Hier unterscheidet er zwischen der transaktionalen und transformationalen Führung.

Bei der transaktionalen Führung wird eine klar regulierte Austauschbeziehung bzw. ein klassischer Kommando-Kontroll-Ansatz zwischen Führungskraft und Mitarbeiter:in (Leistung gegen Gehalt) etabliert. Die transformationale Führungskraft hingegen schafft es durch Überzeugungskraft, Motivation und Inspiration ihre Mitarbeiter:innen positiv zu beeinflussen. So stellen diese ihre eigenen individuellen Ziele hinter die langfristig übergeordneten Ziele der Organisation. Führung kann sich aber auch komplett passiv verhalten und wird durch das Vermeiden von Entscheidungen und der Abwesenheit einer Austauschbeziehung in der Full Range of Leadership als laissez-faire Führung bezeichnet.

Einordnung Servant Leadership

Doch was genau...

...versteht man unter Servant Leadership und wie unterscheidet sie sich von klassischen Führungsstilen wie der transaktionalen oder transformationalen Führung? Servant Leadership dreht die klassische Führungspyramide um. Sie stellt an erste Stelle das Wachstum und das Wohlergehen der Organisationsmitglieder und der durch sie gebildeten Gemeinschaft. Oftmals wird diese Art von Führung auch als allgemeine Lebenshaltung und weniger als Managementtechnik verstanden. Die Führungskraft sieht sich selbst als primus inter pares, d. h. als Erste unter Gleichen, die durch die Weiterentwicklung und Befähigung ihrer Mitarbeiter:innen die Verwirklichung einer gemeinsamen Vision sicherstellt.

Servant Leadership - Führung auf Augenhöhe

Um ihren Mitarbeiter:innen...

...zu verhelfen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen, fördert die Führungskraft das Selbstvertrauen ihrer Mitarbeiter:innen, dient ihnen als Vorbild, erweckt ihr Vertrauen und stellt Informationen, Feedback sowie Ressourcen zur Verfügung. Im Allgemeinen wird Einfluss als Schlüsselelement der Führung angesehen. Bei Servant Leadern wird jedoch der Schwerpunkt dieses Einflusses verschoben, indem sie das Ideal des Dienens in der Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter:innen betonen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Führungsrolle zurückgestuft wird. Der Machteinfluss wird durch die Führungskraft zielgerichtet genutzt, um die Autonomie und Eigenverantwortung der Mitarbeiter:innen zu fördern.

Was macht einen Servant Leader aus?

  • Icon - Aktives Zuhören

    Aktives Zuhören

    Ein Servant Leader versteht die Wichtigkeit im aktiven und aufmerksamen Zuhören, um das Gesagte reflektieren und das Nicht-Gesagte wahrnehmen zu können. Mit voller Aufmerksamkeit achtet die Führungskraft auf unbewusst versendete Botschaften wie Körpersprache, vermeidet Unterbrechungen und zeigt ihrem Gegenüber bewusstes Interesse.

  • Icon - Visionäres Denken

    Visionäres Denken

    Servant Leader sind stehts neugierig und sehen die Innovationskraft der Organisation als wesentlichen Treiber von Zielen. Sie scheuen keine Veränderung und gehen als Impulsgeber voran, um ihre Mitarbeiter:innen mit ihren Visionen zu inspirieren und zu motivieren.

  • Icon - Empathie

    Empathie

    Servant Leader besitzen das Einfühlvermögen sich in die persönlichen Belange anderer Menschen hineinzuversetzen und die emotionale Intelligenz, Perspektiven sowie Ansichten anderer zu verstehen. Sie sind bereit, ihre eigene Meinung auch mal an zweite Stelle zu stellen und offen für die Sichtweisen des Gegenübers zu sein.

  • Icon - Gemeinschaftssinn

    Gemeinschaftssinn

    Die Schaffung und Stärkung eines Gemeinschaftsgefühls sind zentrale Augenmerke eines Servant Leaders. Die Entscheidungsteilhabe der Mitarbeiter:innen wird von der Führungskraft als Stärke und Chance für Erfolge gesehen. Sie zeigt ein erhöhtes Engagement, Weiterentwicklung zu unterstützen und gemeinsam Ziele zu erreichen.

  • Icon - Authentizität

    Authentizität

    Durch reflektiertes Handeln, Ehrlichkeit, Integrität und Aufrichtigkeit gewinnen Servant Leader das Vertrauen ihrer Mitarbeiter:innen. Auf der anderen Seite setzen sie ihr eigenes Vertrauen in das Können und Wachstum dieser.

  • Icon - Überzeugungskraft

    Überzeugungskraft

    Servant Leader besitzen eine starke Kommunikationsfähigkeit, die sich auch durch ihre Überzeugungsstärke äußert. Anstatt ihrer Autorität und formalen Machtposition nutzen sie ihre Überzeugungskraft, um ihre Mitarbeiter:innen zum Handeln zu ermutigen.

Zusammenfassung
Servant Leadership als Denk- und Arbeitsweise

Gerade in der sogenannten VUCA-Welt gewinnt Servant Leadership immer mehr an Bedeutung. Wichtig ist das Bewusstsein darüber, dass es sich hierbei um eine Denk- und Arbeitsweise handelt und es nicht um eine einmalige Methode geht. Servant Leadership spiegelt einen agilen Führungsstil wieder, der durch seinen Fokus auf den Mensch, die Herausforderungen einer immer volatiler werdenden und durch die Digitalisierung geprägten Unternehmenswelt meistert. Sie trägt die Verantwortung, nicht als führende Person autoritär zu agieren, sondern ihren Mitarbeiter:innen als Gemeinschaft zur Selbstorganisation zu verhelfen.

Dabei rückt das Team und jede:r einzelne Mitarbeiter:in, in den Vordergrund, sodass diese:r der Führungskraft auf Augenhöhe begegnen kann und Chancen sowie Räume für Zusammenarbeit von ihr erhält. Echte „Leader“ überzeugen ihre Mitarbeiter:innen mit ihren Werten, Ideen und Visionen und führen nicht allein durch das Managen eines Teams. Mitarbeiter:innen folgen diesen Führungskräften dementsprechend intrinsisch motiviert und nicht nur, weil das Management die Richtung vorgibt.

Alles auf einen Blick
One Pager - Führung als helfende Hand

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Quellenangaben:

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